Zukunft, Sinn und Burn-out…

Zukunft, Sinn und Burn-out…

Letzte Woche hatte ich das Vergnügen mit einem Unternehmer Mittag zu essen.

«Was halten Sie von dieser „Industrie 4.0“? Wird das wirklich so heiss gegessen wie es gekocht wird?», fragte mich der Unternehmer.
«Ich glaube, eigentlich müsste es noch extrem viel heisser gekocht werden – und viele, sehr viele werden sich verbrennen». Der Unternehmer zieht eine Augenbraue hoch und antwortet nur: «wirklich?».

«Ja. Wenn man nur die Vorstellung nimmt, dass 50% der Jobs eigentlich nicht mehr gebraucht werden, ist das mehr als „etwas Veränderung“. Es ist eine absolute Umwälzung der Gesellschaft. Die Fotoindustrie hatte mal so um die 150’000 Arbeitsplätze. Nach der Revolution der Digitalfotografie noch ungefähr 8000. Ich habe schon Zahlen gelesen, dass heute schon 15% der Jobs durch Algorithmen ersetzbar wären.»

«Aber das wäre ja wirklich schrecklich… Zum Glück wird das nicht so schnell gehen», meinte der Unternehmer.

«Es wird schneller gehen als den meisten anfänglich lieb ist… Und ist es denn heute nicht teilweise schon schrecklich? Menschen, die ihren Job nicht mögen, aber 9 Stunden pro Tag damit verbringen? Arbeiter, die tagtäglich überfordert, gestresst und nahe einem Burn-out sind? Die Präsentismus-„ich-bin-24-Stunden-erreichbar“-Haltung? Studenten, die in Weiterbildungen sitzen, nur damit sie ein „Papier“ erhalten, das sie weiterbringt? Jeder technische Fortschritt hatte das Potential, dass wir mehr Zeit haben für uns. Um in dieser Zeit, wenn die Technik die Arbeit macht, die wir früher gemacht haben, an uns zu denken. Zu schauen, was WIR denn wirklich gerne machen würden. Das haben wir vertan. Wir haben in dieser Zeit noch mehr reingepackt. Haben «Zeit-Management» gemacht und geschaut, wie man noch mehr in den Kalender reinbringt. Und immer wieder gibt es Menschen, die fragen, ob das nicht mal alles wieder viel langsamer werden wird? Nein. Nicht langsamer. Aber absolut anders.

Und wenn viele keinen Job mehr haben, wird der Sinn richtig wichtig. Dann muss man Menschen wieder beibringen, zu überlegen, was sie wirklich wollen. Und ja, ich weiss, es wird viele geben, die jetzt schon sagen, dass vieles nicht eingetroffen ist, was „Experten“ prophezeit haben. Dass es immer viel länger geht, bis solche Ideen Wirklichkeit werden. Dann antworte ich: das mag vielleicht sein. Aber hätte ich Sie vor 5 Jahren gefragt, wie sicher der Beruf des Taxifahrers ist, hätte jeder gemeint: 100% sicher. Wird es auch in 50 Jahren noch geben. – Genau. „Uber“legen Sie selber.»

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