Die brutale Transparenz

Die brutale Transparenz

Wir verlangen nach Transparenz. Wir fordern alle Informationen ein, die es gibt. Wir wollen, dass Wissen zugänglich ist.
Doch mal ehrlich – was machen wir daraus? Wir ignorieren, verdrängen oder schauen absichtlich weg.

Wir wissen doch, wo die Geiz-ist-geil-Pullover für Euro 5.99 herkommen. Trotzdem werden sie gekauft.
Wir kennen doch die Wissensportale und Video-Plattformen auf denen unglaublich viel Wissenswertes drauf wäre. Trotzdem haben Videos mit Menschen, die eine Treppe runter fallen, vom Pferd stürzen oder mit dem Handy in der Hand gegen eine Laterne laufen, massiv höhere Zugriffszahlen. (Und auch darum hat jedes schöne Laotse-Zitat und Bild eines belegten Wurstbrotes mehr Likes als dieser Artikel hier…)

Wir kennen auch tolle Buchhandlungen, die Bücher mit dem Wissens- und Erfahrungs-Extrakt vieler kluger Köpfe verkaufen. Trotzdem verbringen mehr Menschen Zeit mit Dschungelcamp, Frauentausch und Co. als mit dem Lesen solcher Bücher.

Wir wollen die Möglichkeit überall mitzureden – machen aber meist – wenn es darauf ankommt – keinen Gebrauch davon. Sogar bei Abstimmungen (in der Schweiz) nutzen meist mehr als 40 Prozent der Menschen diese Chance nicht, ihre Meinung zu äussern. Weil es «eh nichts bringt», «die da oben eh was anderes machen», oder weil man einfach zu faul dafür ist.

Man möchte auch viele Sachen gar nicht hinterfragen. Weil wir meinen, gar keine Zeit dafür zu haben. Man macht lieber eine Schweizer Volksabstimmung, nach der «alles oder nichts» Manier. Beispiele? Wir haben im letzten Jahr in Luzern über die 2. Fremdsprache in der Primarschule abgestimmt. Soll es bei zwei bleiben oder nur noch eine sein? Doch meine Frage wäre, warum die meisten Kinder aus der Schule kommen und nicht einmal EINE Fremdsprache wirklich sprechen können! Ja, sie haben Noten. Vielleicht sogar gute Noten. Aber sie können in den seltensten Fällen sprechen. Hier was ändern? Nein, lieber noch eine zweite Sprache, die man dann auch nicht sprechen kann. Gibt es Zahlen, wieviele Schüler sich nach der Schulzeit in einer 2. oder sogar 3. Sprache fliessend unterhalten können? Ich habe recherchiert – aber leider nichts gefunden.
Und wissen Sie was? Wir wollen es ja gar nicht wissen. Denn da kämen nur neue Fragen auf. Es «funktioniert» ja so.

Wir fordern den Blick hinter den Vorhang – und sind zu beschäftigt, zu faul, zu bequem oder was auch immer, überhaupt aufzustehen und hinter diesen Vorhang zu blicken.

Aber wir könnten. Jederzeit. Das beruhigt ja schon. Oder nicht?

PS: Meine Beiträge dürfen natürlich gerne geteilt werden…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.